Auszüge der Facharbeit von Daniela Geisen, Klasse 10 a,
Heinrich-Roth-Schule-Montabaur, vom 28.10.02.
Aktives Mitglied unseres Vereins.
Tierheim hat riesen Sorgen
Der langfristige Bestand des Montabaurer Tierheim ist in Gefahr. Die ABM-(Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) stelle der Tierpflegerin Elke Sander läuft zum Ende des Jahres aus. "und nur im Ehrenamt ist das hier nicht zu leisten"2, berichtet Tierheimleiter Klaus Böckling.
Das Tierheim ist mal wieder übervoll lauter Hunde, Katzen und Kleintiere warten auf ein neues Zuhause und fast täglich kommen neue Notfälle.
Jede Menge Arbeit wartet täglich auf die einzige hauptberufliche Kraft. Elke Sander füttert die Tiere, macht die Boxen und die Käfige sauber, empfängt den Tierarzt, nimmt eine Menge Telefonate entgegen, bürstet die Tiere, verteilt Streicheleinheiten und Wurmkuren usw. "ohne Frau Sander wären wir aufgeschmissen", betont Böckling. Das Gehalt wird vom Arbeitsamt finanziert, aber die ABM- stelle läuft Silvester aus.
Der Tierschutzverein wird unter großen Mühen die Mitarbeiterin zunächst aus eigenen Mitteln bezahlen können. "Aber es fällt uns sehr schwer, und die Zukunft ist ungewiss: Zuverlässige Geldquellen haben wir nur wenige, das Spendenaufkommen ist nicht vorhersehbar", erklärt Klaus Böckling . Nur Die Verbandsgemeinden Montabaur, Westerburg und Wirges haben sich verpflichtet, jährlich eine feste Summe zu überweisen.
Eine Menge Leute eben ihre Tiere im Heim ab so sind "Scheidungshunde", "überzählige" Mäuse und Katzenjungen, "Mietwohnungsopfer" oder Tiere aus sozialen schwachen Familien, die die Kosten unterschätzt haben, ständige Gäste im Tierheim. Fast wöchentlich kommt ein Fundtier ins Heim und keines wird Abgewiesen, auch wenn sie nicht aus den drei Verbandsgemeinden kommt und der Tatbestand des Fundtiers nicht erfüllt ist.
Inzwischen hat sich das Tierheim zu einem Unternehmen entwickelt, das einen großen Kostenapparat hat: Tierarzt, Futter, Gas, Wasser, Strom, Telefon, das Auto, Reparaturen und Renovierungen. Klaus Böckling: " Ich bin unseren Spendern und sehr engagierten ehrenamtlichen Helfern natürlich dankbar. Aber wenn man bedenkt, dass allein der neue Außenzaun 25.000 Mark gekostet hat, und Frau Sander trotz ihrer Ganztagstelle kaum mit der Arbeit rundkommt, wird klar, dass es langfristig ohne weitere feste Einnahmen nicht geht".
2 Westerwälder Zeitung, 17.12.2001
Helfen Orte dem Tierheim?
Der Montabaurer Tierheim-Verein will durch eine groß angelegte Unterstützungsaktion durch die Ortsgemeinden die Einrichtung vor dem drohenden Aus retten. Das Tierheim in Montabaur gibt es jetzt schon seit drei Jahren und jetzt steht es vor dem Aus. Die Mitglieder des Vereins können die Lohnkosten für eine erforderliche Vollzeitkraft nicht mehr finanzieren.
Seit zwei Jahren wird die Arbeit im Tierheim von einer ABM- Kraft erledigt. Diese Maßnahme läuft bald aus. An den Wochenenden können wie bisher die Mitglieder des Tierheim Verein s den Betrieb ehrenamtlich am Laufe halten. Doch an den Werkstagen muss sich jemand um die Fütterung, Tierpflege und Betreuung, Reinigung der Boxen und Ausläufe und die Instandhaltung der Gebäude und des Geländes kümmern. Die Idee des Tierheims ist das alle 192 Ortsgemeinden im Westerwaldkreis, jährlich einen Betrag von 100 Euro zur Unterhaltung des Tierheims zahlt. So hätte das Tierheim keine oder zumindest keine finanzielle Probleme mehr. Herr Böckling bittet in einem Bittbrief: "Geben sie dem Tierheim und den Tieren des Westerwaldkreises eine Chance"3.
3 Westerwälder Zeitung, 2./3.2.2002
Einige dramatische Notfälle
Mischlingshündin "Lucky"
hatte noch einmal Glück gehabt, deshalb auch der Name. Sie wurde von einem Spaziergänger nur durch Zufall im Wald an der B49 zwischen Montabaur und Neuhäusel entdeckt. Die Hündin saß im hohen Schnee, festgebunden mit einer dünnen schwarzen Kunststoffschnur, diese zu einer Schlinge geknotet wurde, so dass sie sich hätte erwürgen können. Die Polizei brachte die Hündin dann ins Tierheim, man stellte dort fest das "Lucky" hochschwanger war, nach einigen Tagen bescherte sie uns im Heim mit neun schwarzen Welpen.Jetzt wollten wir alle im Tierheim noch erfahren, wer dafür verantwortlich war, so setzte Tierheimleiter Klaus Böckling zunächst 500 Mark als Belohnung für Hinweise auf den Tierquäler aus. Spontan sagte der Montabaurer Kfz- Händler Karl Arnst ihm die gleiche Summe zu. Am nächsten Morgen fand Böckling in der Post einen Scheck über 1.000 Mark, dieser hatte keine Angaben einer Adresse. Der Aussteller schrieb dazu "500 Mark für Hinweise auf den Täter, 500 fürs Tierheim". Noch einen Tag später erklärte Poul Fischer, ein Autohändler aus Heiligenroth, der Westerwälder Zeitung, dass er 1.000 Mark dazu gibt. So wurden 2.500 Mark für Hinweise auf den Tierquäler ausgesetzt.
Die Geschichte von "Lucky" hat zum Glück ein Happy End, alle ihre neun Welpen sind in einer neuen Familie groß geworden und haben es dort sehr gut. Auch "Lucky" bekam nach einiger Zeit ein gutes Zuhause wo sie für immer bleiben kann und es gut haben wird.
Staffordshire- Mischlingshündin "Sandy"
wurde ebenfalls im Wald ausgesetzt bei tiefsten Schnee, sie hat fast das gleiche durchgemacht wie "Lucky".Die Hündin wurde im tiefsten Wald, fernab jeden Weges in der Gegend von Heiligenroth mit einer Kette angebunden und verlassen worden. Der Mann, der sie zufällig fand, musste den Weg durch abgeknickte Ästchen markieren, um Tierschützern die Stelle zeigen zu können.
Die Hündin war völlig abgemagert, sie hatte wohl tagelang dort gewartet. Böckling wartete wieder auf hinweise auf den Tierquäler. Er meinte das es wohl Einheimische gewesen war, denn andere würden die Durchgangsstraße nicht so weit verlassen.
Sie wurde erst "Jessy" genannt, doch nach einigen Tagen teilte uns eine Frau am Telefon mit, dass sie den Hund kenne und die Hündin "Sandy" heißen würde. Sie gab Herrn Böckling die Adresse des Besitzer. Dies war der richtige Tipp, gegen den Mann aus dem Oberwesterwald wurde eine Anzeige wegen Tierquälerei erstattet.
Eine Woche später warf "Sandy" neun Welpen. Einen Welpen gaben wir sofort einer Frau, deren Hündin ihren Welpen verloren hatte. Dadurch konnte die Milchproduktion der Hündin nicht schaden. Auch sie fanden alle ein neues zuhause, "Sandy" blieb noch ca. einen Monat im Tierheim, bis sie dann eine nette hundeerfahrene Frau zu sich geholt hatte.
Der Zirkus "Roland"
durfte über den Winter in einer Montabaurer Lagerhalle überwintern. Als der Winter vorbei war und der Frühling langsam kam machten sie sich wieder auf Reise und hinterließen Berge von Müll und einen Schäferhund "Jacko". Ein Spaziergänger hatte winseln und bellen aus dem Gebäude gehört er benachrichtigte die Polizei. Polizeibeamte gingen den Geräuschen nach und fanden den Schäferhund, eingesperrt in einem kleinen Raum. Sie informierten das Tierheim und Helfer fuhren hin. Der Hund war so verängstigt, dass man ihn mit einer Schlinge einfangen musste. Der arme Hund hatte in dem Zimmer gar nichts zu fressen und zu trinken. Als er dann an einer Leine festgemacht wurde konnte man ihn streicheln und es stellte sich heraus das "Jacko" sehr lieb und verspielt ist. Nach einer Woche holte ihn sein Besitzer ab, dieser den Hund nur zur Pflege in den Zirkus gegeben hatte.Schäferhund Jacko mit unserem Jugendwart Timo Schmidt.
Der erste Nachwuchs im Tierheim
Der erste Nachwuchs waren zwei Zicklein. Sie kamen Anfang 99 wahrscheinlich in der Nacht zur Welt. Ihre Mutter "Flöckchen", eine Zwergziege, wurde vermittelt aber ihre zwei Jungen "Heidi" und "Kessy" sind noch immer im Tierheim. Sie werden auch nur zusammen vermittelt, da sie sehr aneinander hängen.

Tierisch Glück gehabt
Ponystute "Lissy"
hatte tierisch Glück gehabt, sie wurde vor dem Schlachter gerettet."Lissy" war damals nur ein Beistell-Pony für ein Reitpferd. Als dieses verkauft wurde wollte der Mann "Lissy" nicht mehr und dachte daran sie zum Schlachter zu bringen. Ein kleines Mädchen aus dem Ort bekam dieses mit und weinend sagte sie es ihrer Mutter. Die Mutter informierte das Tierheim, dass dann das Pony übernahm. So wurde sie vor dem Schlachter gerettet. Sie hatte noch drei wundervolle Jahre mit "Sarah" und "Biene". Leider musste sie letztes Jahr eingeschläfert werden, da sie an Altersschwäche litt.

Die Amme unter den Katzen
Katze "Mauzi" kam als Fundkatze zu uns, ein paar Wochen später warf sie drei Katzenbabys. Als dann nacheinander noch zwei Katzenwelpen gefunden wurden adoptierte sie die zwei. Das schwarze Katzenbaby wurde einfach über den Zaun bei der Polizei in Montabaur geworfen. Die weiß-getigerte Katze wurde von einer Frau in ihrem Garten gefunden.
Wir mussten "Mauzi" unterstützen und so zogen wir die zwei zusätzlich mit Flasche auf. Hätte "Mauzi" die zwei Katzenwelpen nicht Adoptiert wären sie wahrscheinlich gestorben. Inzwischen haben alle ein tolles Zuhause gefunden.

Drei für einen Preis
Die Ponystute "Sarah" und ihr Fohlen "Biene" kamen im Herbst 1998 ins Tierheim. Die Besitzerin versuchte die Ponys zu verkaufen, da ihr Mann starb und sie musste vom Westerwald nach Köln wegen Arbeit umziehen. Sie setzte die Ponys zum Verkauf in mehrere Zeitungen da sie dringend Geld benötigte. Aber wochenlang meldete sich keiner für sie. Als Böckling das hörte kaufte er die Ponys von seinem Geld für 1000 DM ab.
"Sarah" war noch trächtig, wovon keiner etwas wusste, und brachte im Juli 99 einen wunderschönen Hengst "Chipsi" zur Welt. Dieser wurde aber 2001 vermittelt. "Sarah" ist nun sieben Jahre und "Biene" drei Jahre.

Rattenplage
Eines Tages im Jahre 2000 standen zwei Käfige vor dem Tierheim, in dem einen saßen 17 Ratten und in dem anderen waren sechs amerikanische Wüstenrennmäuse. Die Mäuse wurden alle schnell wieder vermittelt und 13 Ratten bekamen wir auch problemlos weg aber vier blieben bis ans Lebensende im Tierheim die letzte starb im März 2002.
Zweiwochen nachdem die Käfige vor dem Tierheim standen brachte uns jemand einen Karton mit ca. 40 Ratten vorbei die er auf einem Rastplatz gefunden hatte. Darunter waren noch sehr viele junge Ratten und diese wurden von Tierhandlungen übernommen die älteren konnten wir zum Glück alle vermitteln.
Die Errichtung des Teiches
Durch das Huftiergehege fließt ein kleiner Bach uns so kam Herr Böckling auf die Idee einen Teich auf der Wiese anzulegen. Also wurde ein tiefes rundes Loch gegraben. Um die Ufer abzuflachen und das Wasser zu klären wurden Steine in den Teich gelegt. Durch den Bach fließt immer wieder neues Wasser in den Teich, am Ende des Teiches ist ein Ablauf wo der Bach weiterfließen kann. Als das Wasser klar wurde, setzten wir Fische in den Teich. Nach und nach wurden Rotwangenwasserschildkröten abgegeben, diese wir auch in den Teich setzten. Zurzeit sind dort fünf oder sechs Schildkröten zuhause.
Im Frühling brachte uns jemand vier Entenküken, diese bei einem Arzt mitten im Hof rumgewatchelt sind. Wir setzten sie in einen Käfig mit einer Wärmelampe und zogen sie groß, leider ist ein Entenküken von ihnen gestorben. Als sie dann alt genug waren brachten wir sie zum Teich wo sie den ganzen Sommer über blieben. Im Winter suchten sie sich einen wärmeren Platz. Im nächstem Sommer kamen sie dann zu Besuch wieder.

Von einem Hobbyzüchter eingezogen
Im Oktober 2001 bekamen wir ins Heim fast 50 neue Bewohner. Lauter Meerschweinchen und Kaninchen kamen aus einer Hobbyzucht, Dr. Konrad vom hiesigen Veterinäramt konnte sie durch einen heißen Tipp in beschlag nehmen. Es kamen Widder mit Jungen, Löwenkopfkaninchen, Zwergkaninchen, Glatthaarmeerschweine mit Jungen und Rosettenmeerschweine. Alle Kaninchen und Meerschweine haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden.
Das Budget
Das Budget liegt jährlich zwischen 50.000-60.000 Euro, dieses setzt sich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Dienstleistungen zusammen.
An Ausgaben entstehen Tierarztkosten in Höhe von ca. 13.000 Euro im Jahr. Hinzu kommen noch Futterkosten, kosten für Strom, Heizung, Wasser und vieles mehr.
Mitglieder
Der Zeit haben wir ca. 330 Mitglieder die sich aus Einzelpersonen oder Familien zusammen setzten, davon sind ungefähr 15 Aktiv.
Aufgabenbereich
Jährlich werden ca. 100-120 Hunde vermittelt die vorher aus verschiedenen Gründen abgegeben wurden oder die als Fundhunde zu uns kamen. Zurzeit suchen wir für 13 Hunde ein neues Zuhause.
Neben der Vermittlung von Hunden, betreuen wir auch zeitweise Pensionshunde. Für kleine Hunde nehmen wir umgerechnet 5,11 Euro pro Tag und für große Hunde 7.67 Euro. Natürlich nehmen wir auch andere Tiere in Pension oder vermitteln sie.
Wir hatten schon alle möglichen Tierarten bei uns wie z.B.: ein Hausschwein, eine Dohle, zwei Degus, einen Leguan, mehrere Igel, vier Enten, einen Raben, zwei Zwerghühner, sechs Rotwangenschildkröten, zwei Heidschnucken, mehrere Ziegen, viele Ratten und Mäuse, lauter Kaninchen und Meerschweine, vier Ponys, sechs Wildkatzen, viele Katzen und Hunde.
Das ist Rottweilerrüde Ben. Er war lange Zeit Gast in unserem Tierheim, bis er ein neues Zuhause fand.
